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Türkei

Zwar musste auch die Türkei als Folge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise eine Verringerung ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2009 um 4,7 % hinnehmen.

Später zeichnete sich jedoch eine konjunkturelle Belebung ab, die sich auch im Jahr 2010 fortsetzte. Wichtigen Einfluss auf die Erholung hatte vor allem der im Jahr 2001 sanierte und relativ stabile türkische Bankensektor. Im ersten Quartal des Jahres 2010 konnte die Türkei mit 11,7 % das zweithöchste Wirtschaftswachstum nach China innerhalb der G-20 Staaten erzielen. Die Inflation fiel im Jahr 2009 durch verschiedene Maßnahmen, wie u. a. Steuerermäßigungen für Automobile und Elektrogeräte auf unter 6 %.

Seit Beginn des Jahres 2010 stieg die Inflation jedoch mit 10,4 % wieder auf einen zweitstelligen Wert, was jedoch auf die starke Anhebung der Sonderverbrauchssteuern auf bestimmte Warengruppen, wie Treibstoff, Tabak- und Alkoholprodukte zurückzuführen war. Die Schuldquote, die im Jahr 2001 bei 74 % des BIP lag, konnte im Jahr 2008 auf 39 % gesenkt werden. Seit 2004 liegt die Schuldquote unter der Maastricht-Schwelle von 60 %.

Während früher sehr stark der Agrarsektor das Land prägte, hat sich dieses Bild in den vergangenen Jahrzehnten stark verschoben. Laut Angaben der Weltbank arbeiten zwar noch über ein Drittel der Erwerbsbeschäftigten in der Landwirtschaft und leisten einen Beitrag von ca. 10 % zum BIP. Vor allem aber in der Westtürkei hat sich durch die industrielle Entwicklung in den Branchen Fahrzeuge, Chemie, Maschinen, Elektrobranche, Textil etc. das Bild weiter verändert. Diese Branchen tragen mittlerweile mit ca. 30 % zum BIP bei. Den größten Anteil an der BIP hat mittlerweile mit ca. 60 % der Dienstleistungssektor mit weiter steigender Tendenz.

Schließlich bleibt zu erwähnen, dass die türkischen Arbeitnehmer und die Mittelklasse in den 1980er und 1990er Jahren die großen Verlierer der Liberalisierungspolitik waren, die dem Land teilweise ein rasches Wachstum, aber damit einhergehend eine ungleiche Einkommensverteilung bescherte. Auch das Wirtschaftswachstum nach der Wirtschaftskrise 2001 hat daran nichts ändern können. Der überwiegende Teil der in Industrie, Landwirtschaft und Handwerk erwerbstätigen Arbeiter bezieht den offiziellen Mindestlohn, der auf die erste Jahreshälfte 2011 auf 796 TL brutto (ca. 386,- €) festgesetzt wurde. Auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen wandert die ländliche Bevölkerung weiterhin in die Großstädte und industriellen Metropolen vor allem in den Westen ab, was zu einem weiteren Ungleichgewicht zwischen Ost und West führt.

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