Teppich- und Schmuckkauf in der Türkei, auf Nordzypern und Kreta, Griechenland

Aufgrund einer Vielzahl von Anfragen im Zusammenhang mit Teppich- und Schmuckkauf in der Türkei, auf Nordzypern und nun auch auf Kreta, enstand die Notwendigkeit sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen. Im Rahmen von sog. "Studienreisen, Gratisreisen, Kulturreisen, Bildungsreisen" etc. kaufen oft deutsche Touristen Teppiche, Schmuckstücke etc. deren Erwerb zunächst nichts entgegenzusetzen ist. Denn, der lang ersehnte Wunsch nach einem handgeknüpften „Hereke Seidenteppich" oder einem reizenden „Diamantcollier" soll endlich in Erfüllung gehen.

Problematisch ist jedoch, dass nichtsahnenden und in diesen Geschäften meist unerfahrenen Touristen in einer professionellen Verkaufsveranstaltung erheblich überteuerte Teppiche oder Schmuckstücke "aufgeschwatzt" werden und in Deutschland angekommen, sich die Käufer die Frage stellen, wie sie sich von diesem Vertrag wieder loslösen können.

Zumeist im Rahmen von sog. „Studienreisen, Gratisreisen, Kulturreisen, Leserreisen, Bildungsreisen" etc. (oft vom Reiseveranstalter RSD-Reisen angeboten) geraten immer wieder, zumeist ältere Touristen, in diese Fallen und schließen Kaufverträge zu überhöhten Preisen ab, die keineswegs den tatsächlichen Wert der Waren wiederspiegeln. Angebliche Kulturreisen, vor allem in das Gebiet rund um Antalya sowie in die Ägäis (die Stadt Denizli ist bekannt für sog. Teppichknüpfzentren), sowie nach Istanbul und seit 2016 auch auf den türkischen Teil der Insel Zypern (Türkische Republik Nordzypern) sowie wie oben angegeben seit ca. 2017 auch auf die griechische Insel Kreta etc. entpuppen sich später als perfekt organisierte Verkaufsveranstaltungen.

Unter Beteiligung von deutschsprachigen, smarten Verkäufern und Verwendung von deutsch gefassten Verkaufsformularen wird der Zugang zu den Reisenden erheblich erleichtert, so dass es den meisten schwer fällt, diesen „wunderschönen" Teppichen oder "reizenden" Schmuckstücken und den überzeugenden Verkaufstaktiken der „geschickten" Verkäufer zu widerstehen.

In meiner anwaltlichen Praxis, in der ich mich nunmehr seit über 10 Jahren mit diesen Fällen beschäftige, wird durchweg von allen berichtet, dass sie nicht einmal genau wissen, wie sie überhaupt diesen Kauf getätigt haben. Die Verbraucher werden buchstäblich in einen "Kaufrausch" versetzt, von dem sie später selbst sehr überrascht sind.

Es ist davon auszugehen, dass bei diesen Verkaufsveranstaltungen, die wir ähnlich wie in Deutschland, insbesondere unter dem Begriff „Kaffeefahrten" kennen, vermutlich alle mitverdienen. Das heißt, dass diese Verkaufsveranstaltungen in der Regel schon bei der Buchung der Reise in Deutschland mitgeplant werden, an den vermutlich sowohl der Reiseveranstalter in Deutschland als auch der Reiseführer vor Ort etc. entsprechende Provisionen kassieren.

Aus anwaltlicher Sicht machen wir vermehrt die Erfahrung, dass zumeist ausserhalb der Urlaubssaison oder in der mittlerweile auch während den Sommerferien (d. h. bei Ihrem Pauschalurlaub) geschädigte, vor allem deutsche Touristen, an uns herantreten, die in der Türkei oder eben auf Nordzypern oder Kreta Verträge mit teilweise horrenden Kaufpreisen, sei es Teppich- oder Schmuckkauf, abschließen und sich nun von diesen Verträgen loslösen wollen.

Zu diesem Themenkomplex gibt es in Deutschland diverse gerichtliche Entscheidungen. Auch die Türkei kennt bereits seit dem Jahre 1995 ein Verbraucherschutzgesetz, das ebenso beachtet werden sollte und dem Verbraucher diverse Rechte zur Verfügung stellt, unter anderem auch die Möglichkeit der Rückabwicklung des Vertrags. Verbraucherschützdende Gesetze gibt es selbstverständlich auch auf Nordzypern und Kreta.

Mittlerweile beschäftigen sich auch die türkischen Gerichte mit diesen unseriösen Geschäftspraktiken. Im Februar 2011 wurde von einem türkischen Verbraucherschutzgericht in Istanbul der Teppichkauf eines schweizer Touristen im Rahmen einer solchen Reise aufgrund der falschen Zusicherungen des Verkäufers und dem überzogenen Kaufpreis für unwirksam erklärt und der Kaufvertrag rückabgewickelt. Das heisst, der Käufer hat den gesamten Kaufpreis gegen Rückgabe des Teppichs zurückerhalten. Zu beachten sind also neben dem Widerrufsrecht / Rücktrittsrecht daher auch Gewährleistungsansprüche wegen Mängel bzw. Fehlen von zugesicherten Eigenschaften.

Nicht zuletzt kennt auch das türkische Obligationengesetzbuch den Wuchertatbestand, wonach der Vertrag bei einem Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung - was nach unserer Erfahrung immer der Fall ist - nichtig ist.

Nur über einschlägige Erfahrung insbesondere in dem betreffenden ausländischen Recht (d. h. türkisches Recht, Recht der Türkischen Republik Nordzypern, griechiches Recht) und bei evtl. gerichtlicher Auseinandersetzung dann notwendiger rechtlicher Unterstützung der ausländischen Kollegen im jeweiligen Land, kann der Verbraucher je nach Fallgestaltung aus diesen Verträgen herauskommen bzw. bereits gezahlte Anzahlungen zurückbekommen.

Interessant hierzu auch Artikeln der Zeitschrift "test" (Stiftung Warentest) "Teure Rückkehr" und "Pustekuchen" in der Ausgabe Juni 2008: Zeitschrift-Test-Juni-2008.pdf

Weiter ist darauf hinzuweisen, dass im Mai 2014 das neue türkische Verbraucherschutzgesetz in Kraft getreten ist, wonach die Rechte der Verbraucher gestärkt wurden.

Überdies bleibt zu erwähnen, dass in einem von uns durchgeführten Prozess in der Türkei, vor einem Istanbuler Verbraucherschutzgericht, ein rechtskräftiges Urteil gegen eine Teppichfirma auf Rückzahlung der Anzahlung des Mandanten sowie Rückgabe des Teppichs etc. ergangen ist. Dieses Urteil ist in dieser Form einzigartig und dürfte vielen, geprellten Urlaubern helfen. Bei Interesse an diesem Urteil können sich betroffene Verbraucher und sonstige Interessierte gerne an unsere Kanzlei wenden. Näheres zu diesem Urteil erfahren Sie auf unserer Website unter diesem link: 

Rechtskräftiges Urteil gegen türkische Teppichfirma

Die Übersetzung dieses Urteils in die deutsche Sprache können Sie unter diesem Link aufrufen: 

Übersetzung Urteil Teppichkauf Türkei, 5. Verbraucherschutzgericht Istanbul1

Jedem Verbraucher/Urlauber ist daher zu raten, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sofern eine Rechtsschutzversicherung vorhanden ist, werden die Kosten in der Regel von dieser ohne weiteres getragen. Auch ohne Rechtsschutzversicherung sind die Anwaltskosten überschaubar und für die Mandanten erreichen wir durchweg bereits aussergerichtlich zufriedenstellende Ergebnisse.

Und nicht zuletzt finden Sie hier meine Liste der mir im Laufe der Jahre (d. h. seit 2008) als Gegner bekannt gewordenen Teppich- und Schmuckfirmen:

Liste der bekannten Schmuck- und Teppichfirmen

N. B. : Wie oben ausgeführt (2016) soll noch ergänzt werden, dass in der Zwischenzeit fast identische Verkaufstouren bzw. Verkaufsveranstaltungen auch auf der Türkischen Republik Nordzypern und ganz aktuell (Dezember 2017) nun auch auf der Insel Kreta in Griechenland durchgeführt werden. Man kann festhalten, dass fast alles gleich, d. h. nach dem selben Muster abläuft und die betroffenen Verbraucher auch hier rechtliche Hilfe in Anspruch nehmen sollten. 

Sie können mich zunächst völlig unverbindlich sowohl telefonisch als auch per E-Mail kontaktieren. Ich nehme mir - insbesondere in dieser schwierigen Situation - die notwendige Zeit für Sie.

United Nations Human Rights

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Kommentare 1

Gäste - Überrumpelt (anonym) am Montag, 05. November 2018 16:44

Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich für die Rechtsberatung und die Unterstützung bedanken, welche uns Herr Rechtsanwalt Karaman bei der Abwicklung eines Teppichkaufvertrages nach einer RSD Nord-Zypernreise im Februar 2018 gegeben hat. Gleichzeitig soll dieser Beitrag eine Warnung an alle ahnungslosen Touristen sein, nicht in eine solche Falle zu geraten.

Bei dieser Reise wurde die Weiterfahrt von einem Hotel in ein zweites dazu benutzt, die Reisegruppe zu einem, im Hafen von Famagusta gelegenen Teppichlager - ohne Alternative zu "entführen". Dort fand nach kurzem Diavortrag sogleich die Verkaufsveranstaltung von Woll- Baumwoll- und Seidenteppichen statt.

Die Besucher wurden von dem zahlreichen perfekt deutsch sprechenden Verkaufspersonal stets aufgefordert, eine Bewertung zum Gefallen abzugeben. Sobald man nur etwas Interesse zeigte, wurde man sofort von der übrigen Reisegruppe isoliert und in einen anderen Verkaufsraum gebeten, mit dem Argument, dort habe man eine bessere Auswahl und Ruhe. Unaufhörlich redete das Verkaufspersonal auf uns ein, wir sollten uns immer zwischen 2 Teppichen entscheiden bis es am Ende ein ganzes Sortiment "einmaliger Konditionen", "zollfrei" als "beste Kapital-Wertanlage","diese Arbeit ist mit Geld nicht zu bezahlen", "in dieser Qualität einmalig", "garantiert wertsteigernd" angepriesen wurde, bis wir uns schließlich zum Kauf überreden ließen. Unsere Versuche zur Stornierung wurden am Folgetag zurückgewiesen.

Zurück in Deutschland mussten wir feststellen, das der Gegenwert solcher Orientteppiche im krassen Missverhältnis steht, selbst wenn man Liebhaber solcher Stücke ist.

Nach längerem Schriftwechsel konnte durch Hr. RA Karaman ein außergerichtlicher Vergleich ausgehandelt werden, wobei für geleistete Anzahlungen ein Seidenteppich ausgeliefert wurde - der größere Rest letztendlich doch storniert und wir somit vor erheblichen Vermögensschäden bewahrt wurden.

Dies wäre ohne türkisch-deutsch-fachkundigen Rechtsbeistand sicher nicht gelungen.

Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich für die Rechtsberatung und die Unterstützung bedanken, welche uns Herr Rechtsanwalt Karaman bei der Abwicklung eines Teppichkaufvertrages nach einer RSD Nord-Zypernreise im Februar 2018 gegeben hat. Gleichzeitig soll dieser Beitrag eine Warnung an alle ahnungslosen Touristen sein, nicht in eine solche Falle zu geraten. Bei dieser Reise wurde die Weiterfahrt von einem Hotel in ein zweites dazu benutzt, die Reisegruppe zu einem, im Hafen von Famagusta gelegenen Teppichlager - ohne Alternative zu "entführen". Dort fand nach kurzem Diavortrag sogleich die Verkaufsveranstaltung von Woll- Baumwoll- und Seidenteppichen statt. Die Besucher wurden von dem zahlreichen perfekt deutsch sprechenden Verkaufspersonal stets aufgefordert, eine Bewertung zum Gefallen abzugeben. Sobald man nur etwas Interesse zeigte, wurde man sofort von der übrigen Reisegruppe isoliert und in einen anderen Verkaufsraum gebeten, mit dem Argument, dort habe man eine bessere Auswahl und Ruhe. Unaufhörlich redete das Verkaufspersonal auf uns ein, wir sollten uns immer zwischen 2 Teppichen entscheiden bis es am Ende ein ganzes Sortiment "einmaliger Konditionen", "zollfrei" als "beste Kapital-Wertanlage","diese Arbeit ist mit Geld nicht zu bezahlen", "in dieser Qualität einmalig", "garantiert wertsteigernd" angepriesen wurde, bis wir uns schließlich zum Kauf überreden ließen. Unsere Versuche zur Stornierung wurden am Folgetag zurückgewiesen. Zurück in Deutschland mussten wir feststellen, das der Gegenwert solcher Orientteppiche im krassen Missverhältnis steht, selbst wenn man Liebhaber solcher Stücke ist. Nach längerem Schriftwechsel konnte durch Hr. RA Karaman ein außergerichtlicher Vergleich ausgehandelt werden, wobei für geleistete Anzahlungen ein Seidenteppich ausgeliefert wurde - der größere Rest letztendlich doch storniert und wir somit vor erheblichen Vermögensschäden bewahrt wurden. Dies wäre ohne türkisch-deutsch-fachkundigen Rechtsbeistand sicher nicht gelungen.
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